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Presse-Artikel von 1964 - 2005

22.07.2001 in der Welt am Sonntag /Hamburg

Herrliches Hundeleben

Von 1964 bis 1967 segelten Ernst-Jürgen und Elga Koch einmal um die ganze Welt - als sie nach Blankenese zurückkehrten, jubelte die ganze Stadt Von Svante Domizlaff

Die See lehrt, zu hoffen und niemals aufzugeben. Sie fordert Durchhalten, bis sie ein Ende bereitet oder einen neuen Anfang setzt." Mit diesem Wissen wächst jeder Blankeneser auf, denn die See spült bis an die Tür seiner guten Stube - und manchmal sogar über die Schwelle.

12. Juli 1967. Die 9,60 Meter lange Segelyacht "Kairos", Heimathafen Blankenese, treibt beigedreht im Englischen Kanal. "Der Wind heulte, die See tobte, der Nebel nahm uns jegliche Sicht, und beinah wurden wir vom Motorschiff ,Omega' überrannt", schreibt Ernst-Jürgen Koch ins Logbuch. Seit dreieinhalb Jahren ist er mit seiner Frau Elga unterwegs.

In ihrem Boot haben sie die ganze Welt umfahren, von der Elbe über den Atlantik, durch den Panama-Kanal und über den Pazifik, sind bei den Klängen von Beethovens 5. Simphonie durch die Fidschi-Insel gesegelt und mit Bachs Weihnachtsoratorium entlang Neuseelands Küste. Vor Mauritius erlebten sie einen schweren Sturm, umrundeten das Kap der Guten Hoffnung bei Flaute. "Wir haben Opfer gebracht", schreibt Koch später, "aber wir haben dafür alles empfangen, was ein Menschenleben lebenswert macht."
Einen Monat später. Nicht nur in Blankenese, in ganz Hamburg herrscht Aufregung. Die Kochs sind überfällig. Eine ganze Armada von Yachten wartet in Cuxhaven auf die Weltumsegler.

Als die kleine "Kairos" am 23. August 1967 in der Elbmündung auftaucht, ist der Empfang überwältigend. Die Reise nach Hamburg gleicht einer einzigartigen Triumphtour, Raketen steigen in den Himmel, Schiffstyphone dröhnen, alle Yachten haben über die Toppen geflaggt. Im Wedeler Yachthafen drängen sich die Reporter, Vertreter des Senats warten schon, das Ehepaar Koch erhält einen Staatsempfang.

Kaum ist der erste Trubel vorbei, setzt sich Ernst-Jürgen Koch an den Schreibtisch und verfasst ein Buch. Der ehemalige Importkaufmann nennt es "Hundeleben in Herrlichkeit". Es ist die Beschreibung seiner Weltreise, die sanft melancholische Philosophie eines Aussteigers, die Geschichte eines gar nicht vermögenden Ehepaares, das das tägliche Berufsleben eintauschte gegen den "lockenden Zauber der See". Koch empfindet den Tag der Abreise nach acht Jahren Vorbereitungszeit "wie ein Erwachen. Zurück blieb alles, was die Zufriedenheit unseres Lebens ausgemacht hatte: Freundschaft, Beruf, Wohnung. Es blieb auch zurück, was uns ständig bedroht hatte: Gewohnheit, Entschlusslosigkeit, Vermassung."

Mit ihrer "eigentlich zwecklosen" Reise trafen die Kochs den Nerv der Zeit. "Aussteigen", die Zwänge der Zivilisation zurücklassen und auf See ein neues Leben beginnen, das wurde zu einer Philosophie, der immer mehr Segler folgten. Kochs Buch erlebte sensationelle Auflagen. Rund 250.000 Exemplare sind bis heute verkauft.

Wenn heute hunderte von Yachten unter deutscher Flagge auf dem Weg um die Welt sind, oft mit Ehefrau und Kindern, dann war das Ehepaar aus Blankenese ihr V

Ernst-Jürgen und Elga Koch kehrten zwar nach Blankenese zurück, aber sie blieben nicht. Mit einem neuen, größeren Schiff segelten sie, dem Vorbild vieler Blankeneser Fahrensleute folgend, wieder elbabwärts und kreuzten erneut über den Atlantik. Zwar hatten sie gelernt, dass es ein Paradies auf Erden nicht gibt, aber im Gegensatz zum Leben an Land war das Leben auf See zumindest übersichtlich.

Koch schrieb über seine Reisen zwei weitere Bestseller: "Verdammt, glücklich zu sein" und "Paradies im Stundenglas". Heute leben die Weltumsegler auf den Balearen* und haben kaum noch Verbindungen in ihre alte Heimat. In Blankenese aber sind sie unvergessen. Denn dass sie dem Fernweh, der See verfallen sind, wer könnte das besser nachvollziehen als ein Blankeneser?

* falsch = Kanaren

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